Ich bin ein Klang in seinem Lied…

So bin ich Klang in seinem Lied
der Hoffnung, des Vertrauens und der Liebe
in Gottes Lied vom Leben, 
von der Schöpfung,
vom Scheitern und vom Neubeginn.

Und wenn wir heute nicht lauthals singen können,
das Hosianna, das Halleluja, das Klagelied, das Hoffnungslied 
– und zwar aus Vorsicht und Rücksicht, nicht um eines Gebotes willen – 
dann müssen gar nicht erst die Steine
an unserer Stelle ihre Stimme erheben: 
Wir selber sind Klang! 
Du,
meine Seele,
singe: wohlauf – und singe schön,
singe…
Gott, dem Vater, dem wir uns anvertrauen mit diesem Gottesdienst
… Jesus, dem Menschenskind, dessen Stimme in uns nachklingt
… dem Heiligen Geist, der selbst unser Seufzen noch in Gebet verwandelt.
Denn Du, Gott, bist mein Atem, wenn ich zu dir bete, darum
sei auch im Knacken meiner Gelenke, 
in den Schmerzsignalen meines Körpers.
In den Gedankenkreisen und kleinen Fluchten,
in meiner Kurz- und auch meiner Weitsichtigkeit.

Und liege mir in den Ohren, Herr,
mit deinen Angelegenheiten.
Sei im Pochen meines Herzens, 
ja im Herzen, in Mund und Händen:
Erfülle Herz und Sinne mit Sinn und Herzlichkeit
und füge mich ein in die Fuge deines Liebesliedes. Amen

Wärst Du hier gewesen…

„Wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben!“
sagt Marta zu Jesus, als dieser zu Besuch kommt.
Ihr Bruder Lazarus, Jesu Freund, ist vor wenigen Tagen gestorben.
„Wenn du hier gewesen wärst…“
Ein Vorwurf, ein Bedauern, ein Hätte-Wäre-Würde-Satz?
Eine Verlegenheit, eine Schmeichelei, ein Glauben-Hoffen-Lieben-Satz?
Eine Ahnung oder eine Gewissheit, eine Meinung oder ein Bekenntnis?

Nun spricht Marta bei dieser Begegnung ein Bekenntnis, wie wir es sonst von Petrus kennen: „Du bist der Christus“, sagt sie, „du bist im Namen des Herrn unterwegs!“
Auch sonst ist sie ja, wie Petrus, eher der pragmatisch-anpackende Typ.
Statt den Simon Petrus zu nennen,
hätte Jesus also ebenso gut Marta Petra nennen können.
Wer weiß, wie’s dann gelaufen wäre, mit der Kirchengeschichte… .

Nun spricht dieser Satz aber auch aus, was uns in coronäischen Zeiten prägt:
Wir verpassen einander, kommen zu spät, sind nicht da!
Und Menschen sterben: Achtzigtausend in Deutschland, seit Beginn der Pandemie.
Kerzen anzünden zum Gedenken, Namen nennen und Lebensgeschichten erzählen:
Das ist das eine, zumindest die Macht der Zahlen zu brechen.
Das andere ist dieser Satz. Denn er sagt nicht nur das Eine, sondern anderes gleich mit,
und ist so alles in allem: Vorwurf, Bedauern, Hätte-Wäre-Würde, Verlegenheit, Friedensversuch, Glauben-Hoffen-Lieben, Ahnung, Gewissheit, Meinung und Bekenntnis.

Sei da, Mensch! Selbst, wenn es nicht zu verhindern ist.
Und lass diejenigen da sein, die gestorben sind, ebenso wie die, die krank und isoliert sind: Hol sie aus ihren Löchern ans Licht, in eine solidarische Gemeinschaft der Zuneigung und der Würde. Und mach deutlich, was es heißt, wenn du bekennst und glaubst:
Jesus Christus ist da.

Ostern 2021

Ostern: Die Botschaft des Lebendigen, die Nachricht von der Auferstehung, geht von einem zum andern. Und so soll es sein – auch wir hören und sagen weiter, was uns bewegt.
Darum feiern wir an diesem Ostern gleich 3 Gottesdienste, um 11 Uhr, 11:30 und 12 Uhr.
Jede der kurzen Liturgien greift einen anderen Moment auf: Nicht alle können bei allen dabei sein, aber so ist es ja schon einmal gewesen.

Welcher Moment ist Deiner?

Immerhin: hier könnt ihr hören oder lesen, was sonst noch passiert.

Ostermorgen:

…und sagt den Jüngern
Liturgie als Faltblatt und für den Ausdruck in A4

Ostertag:

Häh?
Liturgie als Faltblatt und für den Ausdruck in A4

Osterabend:

brannte nicht unser Herz?
Liturgie als Faltblatt und für den Ausdruck in A4

Segensangelegenheiten

Ach diese Angelegenheit mit Gottes Segen:
Ist nicht Gottes Segen an allen gelegen,
die mit Herz und Verstand nach diesem Segen verlangen?
Und ist nicht allen gelegen, an Gottes Segen,
die wissen, dass dieses Leben nicht nur ihre Angelegenheit ist?

Zu segnen, was und wer uns am Herzen liegt,
oder in den Ohren:
Wir sollen ja sogar segnen, die uns verfluchen,
sagt Jesus, der Herr.
Aber die Liebenden nicht –
gleich welchen Geschlechts?
Da sei die Kirche vor: Was erlauben Kirche?

Jede Gelegenheit zum Segen ist gegeben,
angelegt in der Liebe Gottes,
damit wir die Liebe Gottes zu unserer Angelegenheit machen.
Wenn daran allen alles gelegen wäre,
das wäre ein Segen!

6 Wochen – ein Gottesdienst

Zwischen schon und noch nicht erleben wir zur Zeit unentschiedene Wochen.
Ein Jahr nach dem ersten Lockdown ist unklar:
Wo geht es hin, was ist verantwortlich, was geboten, was notwendig?
Für uns als Gemeinde ist klar: Gottesdienst ist mehr, als einen Gottesdienst ansehen.
Darum gestalten wir gerade in der Fastenzeit Gottesdienst einmal etwas anders:
Ein Gottesdienst mit seinen Elementen – verteilt auf die Sonntage der Fastenzeit –
der längste Gottesdienst der Welt, könnte man sagen – und zugleich jeweils der kürzeste:
Die einzelnen Elemente dauern jeweils nur etwa 20 Minuten, damit in kleinen Gruppen so viele wie möglich daran teilhaben können. Dafür ist die Kirche sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet, jeweils halbstündlich beginnt eine kleine Liturgie. Die aber ist besonders gestaltet, denn es ist

eine Liturgie für Dich!
Diese Form bietet die Gelegenheit, die einzelnen Elemente des Gottesdienstes ganz persönlich zu nehmen – zumal eine volle Gottesdienstgemeinschaft noch nicht wieder so ohne weiteres möglich ist. Lieder, Texte, Handlungen sind für Dich bestimmt, sollen Dich abholen und weiterbringen. Sie sind darum bewusst in der ersten Person formuliert. Nimm Gottes Angebot ruhig persönlich! Diese persönliche Dimension ist etwas, was wir alle dringend brauchen.
Darum gibt es die Liturgien unter Schutzbedingungen „live“ in der Auferstehungskirche, auf der Website mit Liedbegleitung zum selber sprechen und beten, in verschiedener Form zum Ausdrucken und selbstverständlich auch zum Anhören. Ganz ähnlich der Christvesper, so dass darin eben doch wieder alle miteinander verbunden sein können. Worauf wir in dieser Zeit allerdings verzichten ist das Livestreaming, denn das passt nicht gut zum Charakter der Liturgien. Du musst also selber aktiv werden.
Die Liturgien für Dich findest Du jeweils hier auf unserer Webpräsenz.
Einen kleinen Kurz-Impuls als Ausschnitt aus der Liturgie findest Du auch hier rechts in der Spalte „Aktuelles“.

Termin und Ewigkeit

Sonst haben die Termine uns,
Jetzt aber hätten wir gerne welche:
Einen Friseurtermin, einen Konzerttermin, 
Und vor allem: einen Impftermin.
Nichts von all dem ist leicht zu bekommen,
Schade, wie gerne
Hätten wir Schutz und Schönheit 
Wollten wir geschützt uns verschönern lassen
um dann schönste Musik zu hören.
Doch leider
benötigen wir als erstes den Termin
Und hängen dafür in der Warteschleife, 
die sich ewig hinzieht wie der Lockdown selbst.

Doch will mir scheinen, 
die Ewigkeit wird weder
In Terminen noch im Warten bestehen,
Sondern im vollkommenen Augenblick
glücklichster Begegnung und Umarmung,
Im Da-Sein,
ganz und gar und 
unzerteilt und unzertrennt.
Ganz so wie Gottes Liebe
und ganz im Einklang mit ihr.
Schön und geschützt, gut aufgehoben 
Sind wir darin,
Doch brauchen wir keinen Termin
Für diese Schutzimpfung gegen die Trostlosigkeit und die Verzweiflung.

Vielleicht ist es darum ja umgekehrt:
Gottes Ewigkeit wirkt schon jetzt,
hier und heute,
Nur auf den Termin für Impfung, Konzert und Frisör,
auf den müssen wir noch warten.

Wir werden nicht mehr murren als nötig

Wir suchen Dich, guter Gott,
in unseren vier Wänden, auf den Straßen und in den Geschäften,
zwischen den Zeilen und Zahlen und all den Bildern,
in den Maßnahmen und beim Maß nehmen
und wenn wir unsere Masken aufsetzen auch.

Die Geduld geht uns aus wie der Docht einer Kerze,
wenn das Wachs verbraucht ist,
Dafür wächst unsere Sehnsucht:
Nicht nur nach „Normalität“, sondern nach Freiheit und Begegnung.

Der Weg ist noch so weit, durch die Wüste:
Wir werden nicht mehr murren als nötig,
aber bitte geh mit uns, denn
Jetzt und hier und heute,
Wollen wir Dich finden und gefunden werden von Dir.

Gar nicht so leicht ist es, zu sagen:
Es ist nicht die Pandemie, die diese Welt im Griff hat
– sondern Gott ist es, der sie hält!
Es ist nicht die Pandemie, die uns heimsucht
– sondern Jesus Christus ist bei uns an unserer Seite
Es ist nicht der Geist der Verzagtheit, der uns umtreibt
– sondern der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, der uns bewegt.

Darum:
Was nicht leicht ist, soll getragen werden, 
Getragen, vielleicht wie das Kreuz:
Was wir nicht fassen können, hält uns und unsere Herzen und Hände;
Getragen, vielleicht wie ein Kind:
Wer weint und nicht schlafen kann vor Kummer, soll getröstet werden;
Getragen, vielleicht wie ein Kerbholz:
Was wir schuldig bleiben, soll zusammen finden und ausgelöst werden;
Getragen vielleicht wie ein Joch:
Was uns drückt soll Furchen ziehen, in denen Zukunft wächst.