Prophetenbengel

Als die Wogen hochgingen, Wind und Wetter sich als stärker erwiesen,
als all unsere Technik und Erfahrung,
da losten wir aus, wer schuld ist,
auf wen wir mit dem Finger zeigen könnten
wer über Bord gehen sollte,
den Sündenbock,
auf dass wir gerettet würden.

Da traf es einen, der war mit der Botschaft einer Umkehr beauftragt,
geschickt vom Himmel, mehr noch als Regen und Sturm.
Macht nicht so weiter, sollte der sagen,
kehrt um, sollte er mahnen,
lebt nicht auf Kosten der Armen und verehrt nicht Profit, Macht und Prestige.
schuftet nicht für Dinge, sondern für Menschen,
baut nicht auf Waffen, sondern miteinander,
öffnet euch für die Not.
sucht nicht das Eure, sondern Gott.

So sollte er sagen. Doch zog er es vor, zu schweigen:
Instrumentalisiere doch nicht das Unglück, hörte er sie sagen,
du links-grün-versiffter Prophetenbengel,
willst uns nur Vorschriften machen!
Es wird so schlimm nicht werden…

Hat er uns nicht alle in Gefahr gebracht?

Hat er uns nicht alle in Gefahr gebracht,
durch seine Flucht vor der Wirklichkeit?
Soll er doch untergehen, damit wir leben können. 

Wandel

Der Kälte ist die Hitze gefolgt, wie begrüßenswert war der Wandel,
und doch ist es schon wieder zu viel

Der Ausgangssperre ist die Öffnung gefolgt, wie begrüßenswert war der Wandel
und doch ist es schon wieder zu viel.

Den Regeln folgt Freiheit, wie begrüßenswert ist der Wandel
Und doch ist es jetzt schon zu viel, 

Der Distanz folgt Präsenz, wie begrüßenswert ist der Wandel,
Und doch ist es jetzt schon zu viel.

Welcher folgenreich begrüßenswerte Wandel 
wird uns also als Nächstes zu viel werden?

Pfingsten: Wir haben Netz…

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, so lautet die Verheißung.
Wir aber wissen: Wer Empfang haben will braucht Netz. Vor 2000 Jahren waren die Anhänger*innen Jesu in Jerusalem alle an einem Ort versammelt, so heißt es. Volle Netzabdeckung für alle also – kein Wunder daher, das Pfingstwunder.
Von dort aus hat sich die Botschaft von der Gerechtigkeit Gottes in Jesus Christus ausgebreitet. Die Menschen des Neuen Wegs haben begriffen: Wir sind, so unterschiedlich wir auch sind, verbunden: Mit dem Geist Gottes und durch den Geist auch untereinander. Selbst wenn wir unterschiedliche Systeme unterschiedlicher Herkunft nutzen, verschiedene Architekturen bevorzugen, andere Kontakte pflegen, Erfahrungen, Erlebnisse und Überzeugungen teilen oder gar Sprachen sprechen: Der eine Geist ist die unverfügbare Gabe Gottes, sein Beistand und seine Zuwendung. So aber, indem Gott selbst sich in uns Menschen zur Erfahrung bringt, vernetzt er uns zugleich zu einem Netz, das uns trägt, indem wir einander ergänzen, begeistern, inspirieren, helfen und tragen. Denn die Liebe Gottes kann durch dieses Netz fließen und wirksam werden, das vom Vertrauen in die Treue Gottes getragen wird und so die Hoffnung auf die neue Welt Gottes verbreitet. Darum müssen wir weder die Hände in die Luft heben noch die Anzahl der Sendemasten erhöhen, um Anschluss und Empfang zu haben, sondern uns öffnen für Gottes Wirklichkeit und uns dann auf den Weg machen – auch und gerade dahin, wo der Empfang nicht gut ist.

Himmelfahrt…

Da fährst Du hin
Jesus.
und wir sehen Dir nach.
Du verschwindest in den Wolken.
Doch was für Wolken sind das, in denen Du uns aus dem Blick gerätst?
Die Wolken eines Himmels, hoch oben über uns?
Die Wolken der Geschichte, weit hinter uns?
Die Wolken unserer Enttäuschungen, tief in uns?
Die Wolken unserer Ungewissheit, noch vor uns?
Die Wolken all dessen, was um uns ist und uns bedrängt?
Und wir sehen dir nach: sehen es dir nach? 
Ach dass uns doch der Himmel aufklare und aufkläre:
Fährst Du dahin oder da hin? 
Wo fährst Du hin, 
Jesus?

Apostelgeschichte 1 mit Johannes 20,17

Ich bin ein Klang in seinem Lied…

So bin ich Klang in seinem Lied
der Hoffnung, des Vertrauens und der Liebe
in Gottes Lied vom Leben, 
von der Schöpfung,
vom Scheitern und vom Neubeginn.

Und wenn wir heute nicht lauthals singen können,
das Hosianna, das Halleluja, das Klagelied, das Hoffnungslied 
– und zwar aus Vorsicht und Rücksicht, nicht um eines Gebotes willen – 
dann müssen gar nicht erst die Steine
an unserer Stelle ihre Stimme erheben: 
Wir selber sind Klang! 
Du,
meine Seele,
singe: wohlauf – und singe schön,
singe…
Gott, dem Vater, dem wir uns anvertrauen mit diesem Gottesdienst
… Jesus, dem Menschenskind, dessen Stimme in uns nachklingt
… dem Heiligen Geist, der selbst unser Seufzen noch in Gebet verwandelt.
Denn Du, Gott, bist mein Atem, wenn ich zu dir bete, darum
sei auch im Knacken meiner Gelenke, 
in den Schmerzsignalen meines Körpers.
In den Gedankenkreisen und kleinen Fluchten,
in meiner Kurz- und auch meiner Weitsichtigkeit.

Und liege mir in den Ohren, Herr,
mit deinen Angelegenheiten.
Sei im Pochen meines Herzens, 
ja im Herzen, in Mund und Händen:
Erfülle Herz und Sinne mit Sinn und Herzlichkeit
und füge mich ein in die Fuge deines Liebesliedes. Amen

Wärst Du hier gewesen…

„Wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben!“
sagt Marta zu Jesus, als dieser zu Besuch kommt.
Ihr Bruder Lazarus, Jesu Freund, ist vor wenigen Tagen gestorben.
„Wenn du hier gewesen wärst…“
Ein Vorwurf, ein Bedauern, ein Hätte-Wäre-Würde-Satz?
Eine Verlegenheit, eine Schmeichelei, ein Glauben-Hoffen-Lieben-Satz?
Eine Ahnung oder eine Gewissheit, eine Meinung oder ein Bekenntnis?

Nun spricht Marta bei dieser Begegnung ein Bekenntnis, wie wir es sonst von Petrus kennen: „Du bist der Christus“, sagt sie, „du bist im Namen des Herrn unterwegs!“
Auch sonst ist sie ja, wie Petrus, eher der pragmatisch-anpackende Typ.
Statt den Simon Petrus zu nennen,
hätte Jesus also ebenso gut Marta Petra nennen können.
Wer weiß, wie’s dann gelaufen wäre, mit der Kirchengeschichte… .

Nun spricht dieser Satz aber auch aus, was uns in coronäischen Zeiten prägt:
Wir verpassen einander, kommen zu spät, sind nicht da!
Und Menschen sterben: Achtzigtausend in Deutschland, seit Beginn der Pandemie.
Kerzen anzünden zum Gedenken, Namen nennen und Lebensgeschichten erzählen:
Das ist das eine, zumindest die Macht der Zahlen zu brechen.
Das andere ist dieser Satz. Denn er sagt nicht nur das Eine, sondern anderes gleich mit,
und ist so alles in allem: Vorwurf, Bedauern, Hätte-Wäre-Würde, Verlegenheit, Friedensversuch, Glauben-Hoffen-Lieben, Ahnung, Gewissheit, Meinung und Bekenntnis.

Sei da, Mensch! Selbst, wenn es nicht zu verhindern ist.
Und lass diejenigen da sein, die gestorben sind, ebenso wie die, die krank und isoliert sind: Hol sie aus ihren Löchern ans Licht, in eine solidarische Gemeinschaft der Zuneigung und der Würde. Und mach deutlich, was es heißt, wenn du bekennst und glaubst:
Jesus Christus ist da.

Ostern 2021

Ostern: Die Botschaft des Lebendigen, die Nachricht von der Auferstehung, geht von einem zum andern. Und so soll es sein – auch wir hören und sagen weiter, was uns bewegt.
Darum feiern wir an diesem Ostern gleich 3 Gottesdienste, um 11 Uhr, 11:30 und 12 Uhr.
Jede der kurzen Liturgien greift einen anderen Moment auf: Nicht alle können bei allen dabei sein, aber so ist es ja schon einmal gewesen.

Welcher Moment ist Deiner?

Immerhin: hier könnt ihr hören oder lesen, was sonst noch passiert.

Ostermorgen:

…und sagt den Jüngern
Liturgie als Faltblatt und für den Ausdruck in A4

Ostertag:

Häh?
Liturgie als Faltblatt und für den Ausdruck in A4

Osterabend:

brannte nicht unser Herz?
Liturgie als Faltblatt und für den Ausdruck in A4

Segensangelegenheiten

Ach diese Angelegenheit mit Gottes Segen:
Ist nicht Gottes Segen an allen gelegen,
die mit Herz und Verstand nach diesem Segen verlangen?
Und ist nicht allen gelegen, an Gottes Segen,
die wissen, dass dieses Leben nicht nur ihre Angelegenheit ist?

Zu segnen, was und wer uns am Herzen liegt,
oder in den Ohren:
Wir sollen ja sogar segnen, die uns verfluchen,
sagt Jesus, der Herr.
Aber die Liebenden nicht –
gleich welchen Geschlechts?
Da sei die Kirche vor: Was erlauben Kirche?

Jede Gelegenheit zum Segen ist gegeben,
angelegt in der Liebe Gottes,
damit wir die Liebe Gottes zu unserer Angelegenheit machen.
Wenn daran allen alles gelegen wäre,
das wäre ein Segen!